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Herzgruppen und Bedeutung von Bewegung in Zeiten der Corona–Pandemie

Ein Bericht von Herrn Dr. Henning Seevers, Stand: 07.05.2020

Leider sind wir seit einigen Wochen gezwungen, die Herzgruppen ausfallen zu lassen. Das ist sehr schade, allerdings unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes und gerade für Herzkranke richtig und notwendig.

Wahrscheinlich sind wir in Deutschland aber auf dem richtigen Weg, das Risiko, an einer Corona – Erkrankung  (Covid 19)  zu erkranken, für die meisten Menschen durch die isolierenden Maßnahmen gering zu halten. Dabei ist es nicht einfach, medizinische und soziale sowie psychologische Gesichtspunkte gleichermaßen zu berücksichtigen. Manches muss schnell entschieden werden, aber alles muss ständig überdacht werden.

Wir wissen, dass es Risikogruppen gibt, die durch eine Coronavirus –Erkrankung, die dann auch  Covid 19 – Erkrankung heißt, ernsthaft gefährdet sind. Dazu gehören ältere Menschen und Menschen mit bedeutsamen Vorerkrankungen. Leider auch Patienten mit Herzkrankheiten. Wobei sicherlich nicht eine 50 Jährige mit einem gut kontrollierten erhöhten Blutdruck gemeint ist. Manchmal erkranken aber auch jüngere Leute, wobei diese wohl  ebenfalls eine vielleicht bis dahin nicht bekannte Vorerkrankung, z.B. eine koronare Herzkrankheit haben.

Auf jeden Fall ist es richtig, dass sich besonders Herzpatienten vor einer Ansteckung schützen und auch geschützt werden müssen. Deswegen ist es eben nicht möglich (für Andere im Übrigen derzeit auch noch nicht) in Gruppen sportlich aktiv zu sein.

Zum anderen wissen wir alle, wie wichtig körperliche Bewegung für Herz-Kreislauf-Kranke ist!  (Wobei auch hier gilt, dass körperliche Aktivität für praktisch jeden Menschen zur Prävention zu empfehlen ist.)
Deswegen haben wir bzw. unsere Vorgänger bei Herz InForm schon vor vielen Jahren die Herzgruppen mit als erste in Hamburg und dann bundesweit etabliert.

Es ist also wichtig, dass wir uns alle auch weiterhin bewegen. Auf keinen Fall dürfen Vorsichtsmaßnahmen dazu führen, dass wir alle nur noch zu Hause auf dem Sofa sitzen! Das könnte auf längere Sicht sogar gefährlich werden.

Wenn die Herzgruppen z.Zt. ausfallen, müssen wir uns also anders helfen. Deswegen hat Herz InForm z.B. bereits kurze Bewegungsvideos erstellt. Die Herzgruppenteilnehmer bekommen per E-Mail einen link geschickt, mit dem dann das Video online angeschaut werden kann. Die Videos sind danach auch auf der Website von HerzInForm abrufbar, wodurch eine kleine Mrediathek entsteht, in der man die Videos immer ansehen und danach üben und mitmachen kann – am besten jeden Tag!
Wie in den Herzgruppen, gilt selbstverständlich auch für das Training zu Hause, dass man dabei nicht übertreiben soll. Das Gefühl einer gewissen Anstrengung während der Belastung soll aber durchaus auftreten.

Als Ärzte empfehlen wir darüber hinaus, jeden Tag (Draußen) 30 Minuten zügig zu gehen oder mit dem Rad zu fahren, soweit es von der Beweglichkeit her möglich ist. Möglichst sollte es einem dabei richtig warm werden!  Teilnehmer der Trainingsgruppen (ab 75 Watt) können sich natürlich auch mehr fordern. Bewegung im Freien ist auch in Corona-Zeiten möglich, allerdings unter Beachtung des Sicherheitsabstandes von 1,5 Metern zum nächsten Menschen.

Tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen ist die Annahme, dass z.B. hinter schnaufenden Joggern ein Aerosol entsteht, d.h. eine Viren enthaltende „Wolke“. Theoretisch könnte dies eine Infektionsgefahr darstellen. Also ggfs. zur Seite treten und etwas mehr Abstand zu Joggern halten.
Aus sportmedizinischer Sicht sind weitere Aspekte interessant: Sportliche Aktivität dient prinzipiell auch zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen. Das ist natürlich gut für unsere allgemeine Gesundheit und gerade auch für Herzpatienten. Sportliche Aktivität sollte generell dem ursprünglichen Leistungsstand angepasst sein, weil eine zu rasche Überforderung dazu führen kann, leichter einen Infekt zu bekommen. Das bedeutet, wenn jemand mehrere Wochen körperlich praktisch nichts gemacht hat, sollte sie/er langsam wieder anfangen. Da kann es sein, das erst einmal 10 Minuten langsames Gehen genügen, um nicht das Immunsystem zu überfordern und sich eine Infektion zu zuzuziehen. Wichtig ist, dass wir uns regelmäßig, d.h. täglich, bewegen, und vielleicht zwei bis dreimal intensiver körperlich aktiv sind.

Nun noch etwas zum Verlauf der Covid 19 – Erkrankung. In den meisten Fällen verläuft sie glücklicherweise milde. Mancher Infizierte fühlt sich sogar überhaupt nicht krank. Das macht die Sache allerdings tückisch, weil sie oder er dennoch ansteckend sein kann.

Wenn jemand krank wird, gibt es leichtere Verläufe, aber auch mittelschwere und schwere Verläufe. Betroffen ist in erster Linie die Lunge. Da kann es ggfs. bei einer Bronchitis und Allgemeinsymptomen bleiben. Im schlimmeren Fall kann es zu einer Lungenentzündung kommen, die typischerweise doppelseig auftritt. Das sind schwere Krankheitsbilder, die im Krankenhaus, im schlimmsten Fall mit Beatmung behandelt werden müssen. Wir wissen, dass auch andere Organe, insbesondere auch das Herz, an der Erkrankung beteiligt sein können. Abgesehen davon ist eine schwere Infektion mit Lungenentzündung in jedem Fall eine zusätzliche Belastung für das Herzkreislaufsystem.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass auch die medikamentöse Behandlung aller Herzpatienten zuverlässig fortgeführt werden muss, um eine Verschlechterung der Herzkrankheit möglichst zu verhindern. Also auf keinen Fall Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzen!

Körperliche Aktivität ist ebenfalls eine der wichtigsten Therapien bei Herzpatienten – deswegen bieten wir von HerzInForm die besagten Übungsvideos an und empfehlen Bewegung im privaten Bereich soweit möglich.

Immer allerdings unter Beachtung der  Vorsichtsregeln:

  • Abstandhalten
  • z.Zt. Tragen einer Maske in öffentlichen Einrichtungen
  • häufiges Händewaschen mit Seife (30 Sekunden lang)
  • Husten und Niesen  in die Ellenbeuge oder ein Papiertaschentuch, welches dann entsprechend entsorgt wird

Durch die Vorsichtsmaßnahmen wollen  wir verhindern, dass viele Leute gleichzeitig schwer krank werden, wodurch unser Gesundheitssystem nicht mehr jedem Betroffenen helfen könnte. Große Hoffnung wird in einen wirksamen Impfstoff gesetzt. An seiner Entwicklung  wird an vielen Stellen intensiv gearbeitet.  Wollen wir hoffen, dass alle Anstrengungen zum Ziel führen, dass alle möglichst gesundheitlich unbeschadet durch diese Krise kommen und wir uns wohlbehalten  in den Herzgruppen wiedersehen!  

Dr. med. Henning Seevers
Kardiologe und Sportarzt sowie Vorstandsmitglied Herz InForm


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