Reisevorbereitungen und Impfungen
vor Auslandsreisen bei Herzpatienten
Dr. med. Th. Fenner
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Patienten mit Herzerkrankungen sind vom Reisen nicht ausgeschlossen. Generell wird aber Herz-Patienten von Tropenreisen abgeraten. Vor einem Reiseantritt sollte jedoch in jedem Fall eine ausführliche medizinische Reiseberatung unter besonderer Berücksichtigung der Herzerkrankung erfolgen. Eine Reisevorbereitung beinhaltet die Auswahl des Reiseziels mit den dort herrschenden klimatischen Bedingungen sowie eine vernünftige Impfberatung, insbesondere wenn es in subtropische und tropische Reiseregionen gehen soll. Die Beratung hinsichtlich der Impfungen sollte ca. 2-3 Monate vorher erfolgen, damit ein Impfplan ohne Zeitdruck erstellt kann.


Auch von Fernreisen sind herzerkrankte Patienten nicht ausgeschlossen! Berücksichtigt werden müssen dabei:

* Flugdauer
* Örtliche Gegebenheiten (Hotels)
* Klima
* Verpflegung
* Höhenlage und geographische Gegebenheiten des Reiseziels
* Impfungen
* Medikamente

Zu den einzelnen Punkten einige Tips:
Bei langen Flügen sollten Sie ausreichend trinken. Mit einer Krankengymnastin können Sie vor Antritt der Reise spezielle Übungen trainieren, die eine gute Zirkulation des Blutes aus den Beinvenen garantieren und eine Stauung auf langen Flügen verhindern. Mit einfachen gymnastischen Übungen kann hier Linderung erfolgen und ein angenehmer Flug auch über lange Strecken erreicht werden. Dicke Beine müssen nicht sein.

Bei einer Reise in die Tropen sollte das Hotel europäische Standards erfüllen. Dazu gehören u.a. Mineralwasser in fest verschlossenen Trinkflaschen, damit man sich nicht durch den Genuß örtlichen Wassers eine Durchfallerkrankung zuzieht. (Trinkwasser aus dem Wasserhahn unterliegt nur innerhalb der europäischen Union gewissen gesetzlichen Bestimmungen, die der Trinkwasserverordnung in Deutschland gleichzusetzen sind).

Vor Antritt der Reise sollte man sich über die klimatischen Bedingungen erkundigen. Südlich des Äquators sind die Jahreszeiten genau umgekehrt zu denen im Norden. Die mitgenommene Kleidung muß dem Klima angepaßt werden. Insbesondere in sehr warmen Regionen muß entsprechend getrunken werden (3 ltr. u. mehr). Mineraltabletten können helfen, einen Elektrolytverlust auszugleichen. Beraten Sie mit Ihrem Arzt vor Antritt in eine warme Region, ob Ihre Medikamente wärmebeständig sind.

Andere Länder, anderes Essen. Oftmals werden Durchfälle gar nicht einmal durch Bakterien und Viren verursacht, sondern durch das andere Nahrungsmittelangebot und die dort verwendeten Gewürze. Hier erfolgt i.a. eine schnelle Gewöhnung an die vorhandenen Lebensmittel. In tropischen Regionen sollte man Eiswürfel im Drink genauso vermeiden, wie grüne Salate, Puddings und Speiseeis, da in diesen Lebensmitteln Infektionserreger versteckt sein können. Verfügt das Hotel über eine entsprechende Küche nach europäischen Standards, ist das Risiko einer Erkrankung geringer (z.B. Clubs oder entsprechende Ferienanlagen). Gerade bei Überlandausflügen mit einfacheren Standards muß man wieder mehr Vorsicht walten lassen.
Alles, was gekocht ist oder was man selber schälen kann (Orangen, Äpfel, Bananen, Kokosnüsse), kann unbedenklich verzehrt werden.

Wird ein Ziel über 1500 Höhenmetern angestrebt, so sollte man sich dem Ziel in 500m Höhenetappen nähern und sich langsam durch 1-2 Tage Rast auf den jeweiligen neuen Höhenstufen an die Höhe gewöhnen. Eine solche etappenmäßige Näherung an das Reiseziel ist klimatisch besser zu verkraften, als in einem Stück auf eine große Höhe zu reisen.
Auch Wärme und Luftfeuchtigkeit können gesundheitlich anstrengend sein, so daß nach Ankunft am Reiseziel vor weiteren Ausflügen und Besichtigungen zunächst eine Ruhepause eingelegt werden sollte. In manchen Gebirgsregionen können zu gewissen Jahreszeiten heftige Föhnlagen auftreten, die ebenfalls als kreislaufmäßig anstrengend empfunden werden.

Zu jeder Reise gehört eine vernünftige Impfberatung, auch wenn es "nur" zum Wandern in den Schwarzwald geht. In Nord- und Mitteleuropa ist z.B. im Frühsommer die Gefahr, an einer Hirnhautentzündung zu erkranken gegeben; gegen diese kann eine Impfung schützen. Bei Reisen in den Mittelmeerraum kann bereits für jüngere Patienten eine Impfung gegen Hepatitis A sinnvoll sein. Hepatitis A wird weltweit über verunreinigte Lebensmittel übertragen. Besonders Muscheln aus den Hafenbecken der großen Seestädte können damit infiziert sein. Gegen diese Erkrankung kann man sich mit einer entsprechenden Impfung schützen. Polio (Kinderlähmung), Diphterie und Tetanus (Wundstarrkrampf) sind die Standardimpfungen, die von Personen im Alter von über 40 in Deutschland leider nicht mehr regelmäßig aufgefrischt werden. Denn ein Impfschutz verliert sich mit zunehmenden Alter und gerade die genannten 3 Impfungen sollten in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Ob noch ein ausreichender Impfschutz besteht, kann durch eine sogenannte Antikörperkontrolle im Blut ermittelt werden. Dazu werden 10 ml Vollblut in einem Röhrchen ins Labor geschickt mit der Frage, ob noch ein ausreichender Impfschutz besteht. Ebenso kann bei der Hepatitis A verfahren werden. Diese Erkrankung kann auch stumm verlaufen. Man hat dann Antikörper, die ein Leben lang vor einer erneuten Erkrankung schützen. Bei Fernreisen sind länderspezifische Impfungen erforderlich, die bei einer Impfberatung erfragt bzw. besprochen werden müssen. Dazu zählen Gelbfieberimpfungen, Typhus-Impfschutz, Impfungen gegen Japan-B-Encephalitis - um nur eine Auswahl zu nennen. Alle Impfstoffe werden in der Regel gut vertragen und können in unterschiedlichen Dosen auf mehreren Sitzungen durch einen kleinen Stich in den Oberarm oder den Po verabreicht werden. Einige tropische Länder schreiben bei Einreise aus Drittländern (nicht aus Deutschland) entsprechende Impfungen vor.

Gerade bei Aufenthalt in den Tropen ist Malaria immer ein Risiko. Malaria wird durch die Stechmücke Anopheles übertragen. Gegen Malaria kann man vorsorglich entsprechende Tabletten einnehmen. Die Medikamente sind je nach Reiseregion unterschiedlich, da die Stechmücke und die Malariaerreger gegen bestimmte Malariamittel resistent geworden sein können. Wichtig bei der Malariaprophylaxe ist, auch wenn jegliche Beschwerden ausbleiben, daß 6 Wochen nach dem Verlassen der tropischen Malaria Region die Medikamente weiter eingenommen werden, da der Parasit so lange noch eine Malaria auslösen kann. Man kann sich in der Region durch Mückennetze und Autanspray vor den Mücken schützen, wichtig ist nach Einbruch der Dämmerung das Tragen leichter Hosen und Hemden, damit man möglichst wenig Hautfläche den Mücken zum Stechen zur Verfügung stellt.

Nehmen Sie immer ausreichend Ihrer Dauermedikamente mit.

Weitere Informationen kann man aus dem Internet erfahren, z.B. den reisemedizinischen Beratungsdiensten der Tropeninstitute, oder des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg, bei Ihrem Hausarzt, den Tropenmedizinern oder auch bei mir unter der unten angegebenen Adresse.

Zum Schluß noch die besondere Empfehlung: Scheuen Sie sich nicht, zu verreisen und neue Eindrücke aus neuen Regionen, - ob nah oder ganz fern - zu bekommen. Von diesen Eindrücken können Sie lange zehren und es trägt zur Stabilität Ihrer wiedergewonnenen Gesundheit bei. Lassen Sie sich durch die vermeintliche Vorsorge nicht schrecken oder gar abhalten. Wenn Sie sie vernünftig angehen und planen ist die Reisevorbereitung einfacher als Kofferpacken.

Dr. med. Thomas Fenner
City-Labor Dres. Fenner & Partner Hamburg
Bergstr. 14
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